Paragraph §20 SGB V

Bedarf

Rund 25 % aller Arbeitsunfähigkeitstage treten infolge von Muskel- und Skeletterkrankungen auf. Der Schwerpunkt liegt hier bei den Dorsopathien (Rückenleiden) (ICD M 53.9). Anteilsmäßig verursachen Muskel- und Skeletterkrankungen in allen Branchen die meisten Fehltage, am höchsten sind die Anteile im Baugewerbe (29%) und im verarbeitenden Gewerbe (26%).

Rückenschmerzen sind ein sehr häufig auftretendes Phänomen, das – ähnlich wie Schnupfen – fast die gesamt Bevölkerung betrifft. Für die Prävention von besonderer Relevanz sind rezidivierende bzw. chronische Rückenschmerzen, die bei ca. 2–7% der von Rückenschmerzen betroffenen Menschen auftreten.

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Als Risikofaktoren für eine Chronifizierung gelten vor allem psychosoziale Faktoren wie Dysstress, Arbeitsunzufriedenheit durch fehlende soziale Unterstützung am Arbeitsplatz oder Depressivität / Depression sowie ungünstige Einstellungen (Durchhalteverhalten) oder der Glaube daran, dass Rückenschmerzen eine schwerwiegende Ursache zugrunde liegen müsse und einem damit verbundenen maladaptiven Verhalten (Angst-Vermeidungsverhalten, Katastrophisieren).

Körperliche Belastungen am Arbeitsplatz wie Ganzkörpervibration, Material- und Patientenbewegung, Bücken, Drehen, Heben, Tragen, Schieben, Ziehen etc. gelten dann als Risikofaktoren, wenn sie wiederkehrend über längere Zeiträume ausgeübt werden müssen.

Wirksamkeit

Für die Prävention von Rückenschmerzen steht die Hinführung und Bindung an körperliche Aktivität sowie die Vermittlung von Wissen und Handlungskompetenz im Umgang mit Rückenschmerzen im Vordergrund. Darüber hinaus können hohe körperliche Belastungen am Arbeitsplatz einerseits über arbeitsergonomische Maßnahmen und andererseits über die Vermittlung von Bewegungskompetenzen (muskuläre Stabilisation der Wirbelsäule, Trage- und Hebetechniken etc.) adressiert werden.

Zielgruppe

  • Beschäftigte aus betrieblichen Bereichen mit individuellen und / oder arbeitsplatzabhängigen Chronifizierungsrisiken im psychosozialen Bereich
  • Beschäftigte aus betrieblichen Bereichen mit einseitiger oder hoher Belastung, bewegungsarmen Tätigkeiten bzw. mit Beschwerden des Bewegungsapparats

Ziel der Maßnahme

Zielsetzung von Wissen über körperliche Belastungen und Hintergründe von Rückenschmerzen

  • Aufbau individueller Verhaltens- und Handlungskompetenzen für den Umgang mit körperlichen Belastungen
  • Hinführung zu und Maßnahme überdauernde Bindung an eigenständig durchgeführte körperliche Aktivität und Verbesserung der gesundheitsbezogenen Fitness
  • Optimierung der Arbeitsbedingungen
  • Erhöhung der Arbeitszufriedenheit

Inhalt

Hierbei wird in Gruppen Wissen vermittelt in Bezug auf Verhaltens- und Handlungskompetenzen zum Umgang mit Rückenschmerzen speziell am Arbeitsplatz. Dies beugt Belastungen und Beschwerden im Muskel- und Skelettsystems vor und dient dazu Übungen aufzuzeigen die selbstständig in den Arbeitsalltag eingebaut werden können. Es werden sowohl theoretische als auch praktische Elemente trainiert. In Zusammenarbeit von Beschäftigten und Experten werden unter biopsychosozialer Perspektive am Arbeitsplatz Vorschläge zur Veränderung des Bewegungsverhaltens bei der Arbeit und in der Freizeit sowie zur Veränderung von Bedingungen des Arbeitsplatzes entwickelt und umgesetzt. Ausschlusskriterien für eine Förderfähigkeit Angebote, die sich nicht explizit und inhaltlich erkennbar auf die sechs Kernziele des Gesundheitssports beziehen (vgl. Kapitel 5.2.2), können nicht gefördert werden. Dies umfasst Angebote des allgemeinen Freizeit- und Breitensports.

  • Maßnahmen, die vorwiegend dem Erlernen einer Sportart dienen
  • Maßnahmen, die einseitigekörperliche Belastungen erfordern
  • reine oder überwiegend gerätegestützte Angebote
  • Angebote, die an die Nutzung von Geräten bestimmter Firmen gebunden sind
  • Dauerangebote

Der Zugang zu den Bewegungsmöglichkeiten, die in der Folge des Bewegungsprogrammes ausgeübt werden sollen, muss niedrigschwellig möglich sein (z. B. Ausstattungsbedarf und Kosten auch im Hinblick auf eine kontinuierliche Ausübung sowie Erreichbarkeit).

Methodik

  • Gruppenschulung und -beratung mit aktiver Einbeziehung der Beschäftigten
  • arbeitsplatzbezogene praktische Anleitung
  • Einbeziehung der zuständigen Führungskraft

Anbieterqualifikation

Zur Durchführung entsprechender Maßnahmen kommen Fachkräfte mit einem staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss im Bereich Bewegung in Betracht, insbesondere

  • Sportwissenschaftler (Abschlüsse: Diplom, Staatsexamen, Magister, Master, Bachelor)
  • Krankengymnasten / Physiotherapeuten
  • Sport- und Gymnastiklehrer
  • Ärzte, sofern sie eine Zusatzqualifikation für den jeweiligen Problembereich bei anerkannten Institutionen (z. B. Rückenschullehrerlizenz 120, vergleichbar in anderen Indikationsbereichen) erworben haben und im Rahmen einer Schulung in das durchzuführende Bewegungsprogramm speziell eingewiesen sind. Ferner kommen als Anbieter auch Masseure (mit Ausbildung nach den erweiterten Ausbildungsbedingungen ab 1994) und Ergotherapeuten jeweils mit Zusatzqualifikation für diesen Bereich bei einer anerkannten Institution sowie einer Einweisung in das durchzuführende Gesundheitssportprogramm in Betracht